Die Frau von heute ......
Worin liegt der Nutzen der Dessous, die heutzutage sowohl in den Magazinen als auch auf großen Litfass-Säulen oder Plakatwände beherrschenden Postern zu finden sind und die Körper formgerechter Models umhüllen?
Viele Frauen kaufen Dessous, um ihrem Partner - oder sich selbst - eine Freude zu machen. Und dennoch scheinen seit vielen Jahrhunderten die Frauen immer bekleidet zu sein, um diejenigen Kleidungsstücke zu verbergen, die ihren „nichtöffentlichen“ Bereich bedecken. Die Damen-Unterwäsche hat also auch eine andere Funktion als nur die, den Körper erotisch zu machen. Welche Rolle spielt die Unterwäsche in der Entwicklung der Frau? Ist die Wäsche für sie ein Ausdruck einer neuen Freiheit oder folgt sie nur der Veränderung unserer Sitten und Gebräuche, indem sie sich an die jeweilige Mode einer Epoche anpasst?
Mal bieder, mal erotisch-frivol - in der Geschichte der Dessous ist alles möglich! Korsagen, um die begehrte Wespentaille zur Geltung zu bringen, gehören glücklicherweise der Vergangenheit an. Doch noch vor hundert Jahren war dezent dekorierte - lange! - weiße Körperwäsche das Symbol für Jungfräulichkeit. Erst die Belle Epoque erhob die intime "zweite Haut" zum Fetisch - Dessous wurden zum Inbegriff von Erotik und Verführung und bekamen den Ruch des Unerlaubten. Die 68er-Frau hingegen verbrannte den BH erst mal auf dem Scheiterhaufen. Heute ist von der sportlichen Schiesser-Feinripp-Variante bis zum sinnlichen Luxuspiece alles erlaubt. Dessous haben wieder Kult-Status erreicht: in der Wahl der Unterwäsche drückt sich letztlich ein Lebensgefühl aus. Am Ende des 20. Jahrhunderts finden wir alles wieder, was es schon einmal gab: die Korsage als Modegag, Hot pants und Spitzenhöschen, oder verheißungsvolle schwarze Strümpfe auf hochhackigen Schuhen.
Ob raffiniert geklöppelt oder sportlich breit gerippt, Dessous verraten die erotischen Vorlieben der Trägerin; zeigen, wie sie sich selbst sieht und wie sie von anderen gesehen werden möchte. Und natürlich sind Hemd, BH und Höschen auch ein wichtiger Faktor der Modeindustrie.
Seit den Anfängen der Zivilisation gibt es weibliche Dessous. Man hat ihren Gebrauch damit begründet, das sie dem Schutz und der Körperhygiene dienten, doch das ist ein scheinheiliges Argument. In Wirklichkeit bedient diese "zweite Haut", diese "Venusfalle", die erotischen Bedürfnisse, wie pervers auch immer, von den subtilsten bis zu den gröbsten. Mit ihnen werden sowohl die Wunschvorstellungen derjenigen befriedigt, die sie tragen, wie auch derjenigen, die sie erspähen. Korsetts, Büstenhalter und kleine Slips gehören zu dem mystischen Reigen, der den Mann mit der Weiblichkeit verbindet. Denn Dessous üben eine seltsame Macht auf die Libido aus.
Sie sind zugleich das Herzstück der Kunst des raffinierten Ausziehens und die magische Formel für das reizvolle Gelingen. Das Geschlecht ist ein Nichts ohne seine Verkleidung, ohne die Verführungen des Verbotenen. Es leben die Sittenwächter! Ohne sie gäbe es solche Freuden nicht. Die Griechin der Antike trug unter ihrem Gewand ein Band um die Hüften, um ihre Weiblichkeit zu unterstreichen. Auch die Römerinnen banden bereits Strumpfbänder um ihre Schenkel, die keineswegs Strümpfe zu halten hatten, denn die waren noch nicht erfunden; sie hatten vielmehr den Zweck, ein fetischistisches Begehren bei den Männern zu wecken. Seither haben die Vamps und "Blauen Engel", die Filmstars und die Mädchen aus dem Magazin "Paris-Hollywood", die Pinups auf Kalenderblättern und die Models aus der Werbung, die Nylons und die Strapse zum Mysterium gemacht zu einer Zeremonie des Traums, und damit haben sie eine ganz neue Mythologie geschaffen.
Die Geschichte der Dessous ist lang. Um ihren heutigen Nutzen zu verstehen, bedarf es einer Reise durch die Kulturgeschichte. Dieses nur wenige Quadratzentimetereinheiten umfassenden Details, das für uns so untrennbar mit Weiblichkeit verbunden ist wie deren anatomische Erscheinung an sich, das uns so selbstverständlich ist, jedoch nicht winzig genug.
Dessous haben einen großen Nachteil. Sie eignen sich nicht als Statussymbole. Denn wer sein Geld nicht als Model oder Nachtclubtänzerin verdient, kann sie nicht öffentlich herzeigen, und wenn sie noch so schön und teuer sind. Wer sich für Dessous begeistert, dem geht es nicht um Repräsentation, sondern um Suggestion und Autosuggestion: Wer Wühltisch-Wäsche trägt, ist auch in Wühltisch-Stimmung. Wer aber aufregende Dessous am Leibe hat weis warum Dessous stimulieren, das erotische Selbstbewusstsein stärken, verführerisch und schön machen. Im Land der Unterwäschemuffel bekennt sie sich zu ihrer Leidenschaft für die große Wirkung der kleinen Teile.